Den eigenen Glauben begründen – warum sollte man das tun?
Ich persönlich halte es für selbstverständlich, dass es wichtig ist, dass man das, was man glaubt, vom Verstand und Denken her verteidigen kann. Denn, wenn mein eigener Glaube nicht verteidig- und begründbar ist, hat er wahrscheinlich wenig Wert. Das, woran jemand tatsächlich glaubt, bestimmt sein Leben, bestimmt, wie er sein Leben plant und gestaltet und bestimmt außerdem nicht nur, wie er mit dem Leben umgeht, nein, es bestimmt auch darüber, wie er mit dem Tod und dem Sterben umgeht.
Viele Menschen gehen dabei m.E. recht fahrlässig mit ihrem Glauben um. Der Einfachheit halber möchte ich verschiedene Denkweisen im Umgang mit dem Glauben skizzieren, ohne, dass es diese in Reinform direkt gibt.
1. Die „Nicht“-Gläubigen.
Damit meine ich nicht Menschen, die dem Atheismus anhängen und keiner Religion in dem Sinn angehören, sondern solche Menschen, die sich insgesamt in ihrem Leben recht wenig Gedanken gemacht haben über einen Glauben oder Glaubensauffassungen, die sie haben. Solche interessieren sich weniger für einen Sinn, den ihr Leben vielleicht haben mag, sie interessieren sich primär für ihr eigenes Leben und Überleben und denken wenig über „richtig und falsch“, über „gut und böse“ oder über die Frage, ob es einen Gott gibt und wie dieser dann ist, falls es ihn gibt.
2. Die oberflächlich-Gläubigen
Damit meine ich Menschen, die bestimmte „religiöse“ oder auch „nicht religiöse“ Werte oder Auffassungen durchaus auch mal energisch vertreten, aber die sich wenig Gedanken darüber gemacht haben, weshalb sie das tun. Das können Christen sein, die eine bestimmte Tradition verfolgen, ohne je groß über sie nachgedacht zu haben, das können Atheisten sein, die ihren Atheismus vertreten, weil sie z.B. aus dem Kommunismus kommend, nie so wirklich über die Frage, ob es einen Gott gibt, nachgedacht haben, das können auch Muslime sein, die eben entsprechend ihrer Tradition leben, die sogar auch auf arabisch Phrasen aus dem Koran zitieren können, die sie aber nicht wirklich verstehen.
3. Die tiefgründig-Gläubigen
Damit meine ich Menschen, die schon ein klareres Konzept von ihren Glaubensauffassungen haben und sich Gedanken darüber gemacht haben, warum sie was glauben und sich mit den Pros und Kontras ihrer eigenen Glaubensauffassungen mehr oder weniger intensiv beschäftigt haben und weniger blauäugig bestimmten Traditionen oder aufgeschnappten Ideen folgen.
Das soll nur eine Skizzierung sein, ich stelle hier nicht 3 Gruppen auf, in die Menschen so zwangsläufig einzuteilen sind. Wenn man die breite Masse von Menschen fragt, was sie glauben, dann ist es, denke ich, heutzutage so, dass viele Menschen sich sicherlich zu einer bestimmten Position durchringen können wie „ich glaube an einen Gott“ oder „ich glaube nicht an einen Gott“. Aber oft, denke ich, dass, wenn man nachhakt, man feststellen wird, dass sich viele Menschen wenig Gedanken darüber machen und nicht sagen können, warum sie was glauben.
Beispielhaft möchte ich dabei mal ein kurzes fiktives Gespräch darstellen, das den Eindruck widerspiegelt, den ich habe.
Frage: Glaubst Du, dass es falsch ist, jemanden zu ermorden?
Antwort: Ja, ich denke, so was ist sehr schlimm-
Frage: Warum ist das falsch bzw. schlimm?
Antwort: Ja, weil es einfach nicht gut ist, man tötet ja einen Menschen, das verstößt ja gegen die Menschenrechte!
Frage: Warum sind die Menschenrechte wichtig und bedeutsam in dieser Frage?
Antwort: Ja, weil es schließlich um die Menschenrechte geht und die Menschenrechte sind echt wichtig!
Frage: Noch einmal: Wer hat die Menschenrechte denn entworfen?
Antwort: Keine Ahnung? Gibt es nicht auch die 10 Gebote?
Frage: Ja, die gibt es, aber was haben die mit den Menschenrechten zu tun?
Antwort: Ist das nicht ungefähr das Gleiche?
Frage: Nein, nicht direkt, beide unterscheiden sich sehr im Denkansatz, der dahinter steht. Aber vielleicht so herum gefragt: Warum denkst du, dass es wichtig ist, auf solche Regeln acht zu haben?
Antwort: Vielleicht, weil es unserer Gesellschaft hilft?
Frage: Mag sein, aber um noch eine Ebene tiefer zu gehen: Wie lassen sich solche Regeln begründen? Denke z.B. an Nazi-Deutschland, da gab es auch bestimmte Regeln, die dazu dienten, die deutsche Rasse zu bewahren. Ist es sinnvoll, diese Regeln, die deutsche Rasse zu bewahren, einzuhalten? Schließlich sollte das ja auch dazu dienen, der deutschen Gesellschaft zu helfen.
Antwort: Aber, was die Nazis taten, war ja gegen die Menschenrechte und schrecklich! Also man sollte sich nicht an die Nazi-Regeln halten.
Frage: Da stimmen wir überein, vielleicht auch aus verschiedenen Gründen. Ich habe den Eindruck, du denkst, dass die Grundsätze der Menschenrechte mehr zu beachten sind als die Grundsätze der Nazi-Diktatur. Sind die Menschenrechte also der Maßstab, nach dem du handelst?
Antwort: Darüber habe ich bisher nie wirklich nachgedacht. Aber sie sind wohl ein Maßstab für mich.
Frage: Sind die Menschenrechte der höchste Maßstab, nach dem du lebst?
Antwort: Ja, ich finde sie sehr wichtig. Aber die 10 Gebote sind auch wichtig.
Frage: Kannst du mir denn sagen, was der erste und wichtigste Punkt der Menschenrechte ist? Kannst du mir auch sagen, was das erste und wichtigste Gebot der 10 Gebote ist?
Antwort: Also, das wichtigste Menschenrecht ist glaub: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Und das erste und wichtigste Gebot, das fällt mir jetzt gerade nicht ein. Weiß ich nicht.
Frage: Hmmm… Das erste und wichtigste Gebot lautet: „Ich bin der Herr dein Gott […] Du sollst keine andern Götter neben mir haben!“. Mir scheint, du hast nicht wirklich ein Interesse an den zehn Geboten und entsprechend haben sie keine Bedeutung für dich. Ich schätze: Bestimmt hast du das erste Gebot schon mal gehört. Hast du dir jemals richtig Gedanken darüber gemacht?
Antwort: Ich denke, wenn ich ehrlich bin, nicht wirklich. Aber ich bin auch nicht so religiös.
Frage: Was meinst du damit? Glaubst du an etwas oder sagst du: Wir Menschen bestehen aus einem Haufen Zellen und wenn wir sterben, dann ist alles vorbei?
Antwort: Nein, ich denke schon, dass es ein höheres Wesen gibt. Ich glaube auch, dass meine Oma vom Himmel auf mich herunterschaut.
Frage: Und wie kommst du zu diesem Glauben?
Antwort: Ja, ich stelle mir das eben einfach so vor!
Frage: Gibt es irgendetwas, das du weißt, dass diesen Glauben wirklich begründet? Gibt es irgendwelche Fakten, irgendwelche Hinweise, irgendwelche glaubhaften Aussagen von irgendwem, die darauf hinweisen, dass das so ist?
Antwort: Darüber hab ich noch nie nachgedacht. Aber ich muss das ja auch nicht begründen können. Jeder Glaube kommt eben aus der Vorstellung, also daher, wie man sich sein Leben so vorstellt.
Frage: Ich denke nicht. Schaust du zum Islam, da ist es bspw. so, dass man dort den Propheten Mohammed hat, der behauptet, von Allah Offenbarungen bekommen zu haben, die heute im Koran niedergeschrieben sind. Schaust du ins Christentum, da findest du Jesus, von dem gesagt wird, dass er gekreuzigt wurde, dass er wieder von den Toten auferstanden ist und, dass er der Sohn Gottes ist und er deswegen den Menschen von Gott erzählen konnte, weil er ihn als Gottes Sohn mehr kannte als jeder andere, der hier jemals auf der Erde war. Und der Atheist, sagt, „das Universum lässt sich auch ohne Gott erklären: Also brauchen wir keinen Gott, also gibt es keinen Gott“.
Also solche Religionen und auch der Atheismus bringen durchaus Gründe für ihre Auffassungen vor. Es ist nicht so, dass solche Auffassungen rein ohne Grund einfach angenommen werden. Stimmst Du mir da zu?
Antwort: Ja, scheint so. Aber letztlich muss ja jeder selbst entscheiden, was er glaubt und letztlich ist das ja auch egal, so lange man mit seinem Glauben glücklich ist.
Frage: Ja, jeder muss selber zu seinen Glaubensauffassungen kommen, das tut ja auch jeder in der einen oder anderen Weise, aber denkst du es ist egal, ob man an Gott glaubt oder nicht? Was, wenn jemand nicht an Gott glaubt, vollkommen gottlos lebt und es Gott aber wirklich gibt und der dann am Ende sagt: „Dein gottloses Leben war nicht richtig. Du hast alles, was du in deinem Leben an guten Dingen erfahren und erlebt hast, MIR zu verdanken und du hast MIR nicht einmal gedankt, sondern hast mich gespottet, mich lächerlich und ignoriert.“
Antwort: Aber ich bin sicher, dass Gott ihm das verzeihen würde.
Frage: Und woher weißt du das? Du kennst weder den Koran, noch die Bibel, du weißt nicht, was Jesus gesagt hat und hast dir noch weniger die Mühe gemacht, es zu verstehen, du hast nicht mal eine Begründung dafür, dass du quasi atheistisch lebst. Wie meinst du dann sicher sein zu können, dass Gott ihm das verzeihen würde?
Antwort: Wenn ich ehrlich bin, ich hab darüber nie so wirklich nachgedacht…
Das soll nicht arrogant klingen, aber derartige Gespräche verursachen in mir manchmal ein innerliches Kopfschütteln. Die meisten von uns haben wirklich ein Leben lang Zeit über diese Dinge nachzudenken. Klar: Nicht jeder hält solche Dinge für relevant, vielen mögen ihre momentanen Probleme vordergründiger und wichtiger erscheinen. Ich denke aber, dass so ein Ansatz kurzsichtig und irreführend ist. Natürlich wird man eine Zeit lang dem Tod und dem Sterben und existenziellen Nöten aus dem Weg gehen können. Aber wir werden alle eines Tages sterben und in gewisser Weise lebt man sein Leben ja auf seinen Tod hin.
Der eine sagt sich: „Ich will mein Leben in vollen Zügen auskosten, weil eines Tages ein Tag sein wird, an dem ich nicht mehr sein werde und bis der Tag da ist, will ich wenigstens GELEBT HABEN!“.
Ich als Christ sage: „Eines Tages wird ein Tag sein, an dem ich meinem Schöpfer begegnen werde und in dieser Hoffnung gestalte ich und baue ich mein Leben. Ich muss jetzt nicht alles auskosten und getan haben, sondern ich kann auch zurückstecken, weil der Sinn meines Lebens nicht im Leben hier auf der Erde verankert ist, sondern in Gott. Ich muss nicht GELEBT HABEN, ich darf Gewissheit haben, dass ich LEBEN WERDE und eben mit meinem Sterben nicht alles vorbei sein wird. Ich berufe mich dabei auf Jesus“
Ich denke, es ist verständlich, dass es wichtig ist, dass man seinen eigenen Glauben verteidigen kann. Der Glaube sollte nie lediglich Gefühl oder Gedankenspielerei sein. Das Gefühl, dass die Großmutter einen aus dem Himmel beobachtet, mag der eine oder andere Mensch zwar haben, aber das reicht nicht für einen tragfähigen Glauben. Meine Glaubensauffassungen müssen auch verstandesgemäß begründbar sein. Ist der Glaube, den ich halte, begründbar? Wenn nicht: Warum halte ich daran fest? Solche Fragen stellen sich nicht nur dem Theologen, sondern jedem Menschen. Warum glaube ich, was ich glaube? Und ist das, worauf ich vertraue, wirklich haltbar?
Natürlich kann ich als Christ heutzutage niemandem „beweisen“, dass Jesus auf dem Wasser gelaufen ist, aber ich kann sehr wohl begründen, weshalb Jesus der ist, der mein Vertrauen verdient. Das kann ich nur sagen, wenn ich weiß, was Jesus gesagt hat und wenn ich verstanden habe, an wen ich da glaube und warum.
Das nur als Beiwort zum Beitrag:
Die Zuverlässigkeit des Neuen Testamentes.
Wichtiges Thema. Den eigenen Glauben sollte man als Christ auch mit dem Verstand begründen können. Dieses Jesus ich fühle und spüre dich und liege in deinen Armen Christentum hilft in den schweren Zeiten des Lebens nicht wirklich weiter. Gebet, Bibellesen und eine hochwertige Theologie halfen mir Schwierigkeiten wie Arbeitslosigkeit und Versuchungen verschiedenster Art zu überstehen. Eine gesunde Lehre von Gott (Theologie) ist mit die Basisvorraussetzung dafür, den christlichen Glauben halbwegs vernünftig begründen zu können.
Trotz der tollen Möglichkeiten wie Internet und massenweiser Verfügbarkeit von Bibeln zu Spottpreisen nimmt, meiner Meinung nach, die ausgewogene Lehre von Gott in den Köpfen der Christen immer mehr ab. Beispiel: Oft wird nur vom liebenden, tröstenden, segnenden und barmherzigen Gott gesprochen. Selten bis gar nicht mehr spricht man von Gottes Zorn, Eiversucht, Gericht, Strafe und Heiligkeit. Die Hölle ist sowieso OUT. Heut sind wir nur noch getrennt von Gott.
Diese Dinge sind, denke ich, die Ursache dafür, das viele Christen und Heiden so gleichgültig und oberflächlich mit Gott und dem Evangelium umgehen und letztendlich nicht mehr begründen können “was” und “warum” sie daran glauben.
Auch wenn ich das als Atheist vom Ergebnis her natürlich ganz anders sehe, finde ich zumindest deinen Ansatz sympathisch, dass man infrage stellen sollte, was man glaubt, dass man es begründen können sollte, und darüber nachdenken sollte.
Danke!
Ich hab den Beitrag auch ein Stück weit allgemein gehalten – mir ging es darum, dass man allgemein seine Auffassungen begründen können sollte. Bei den meisten Beiträgen hier im Blog setze ich eine christliche Weltanschauung voraus. Aber dahinter steht, dass ich mich bspw. mit Naturwissenschaft als solcher, mit Philosophie und ähnlichem durchaus auseinandergesetzt habe. Ich finde es schon wichtig, dass man als Christ zumindest ein klein wenig weiß, was ein Feuerbach, Nietzsche, Lessing oder ein Kant gesagt haben.
Denn man begegnet den Gedankengängen Kants, Nietzsches oder Lessings auch sehr oft bei Leuten, die noch nie irgendwas von denen gelesen haben oder je von denen gehört haben. Überhaupt ist eine Beschäftigung mit Geschichte im Allgemeinen sehr wertvoll, weil wir ja nicht plötzlich aus dem Nichts da hin gekommen sind, wo wir heiute sind.
Also dieses „Wichtiges Thema. Den eigenen Glauben sollte man als Christ auch mit dem Verstand begründen können. Dieses Jesus ich fühle und spüre dich und liege in deinen Armen Christentum hilft in den schweren Zeiten des Lebens nicht wirklich weiter.“ von „was-ist-wahrheit.eu“ kann ich im Rahmen der uns gegebenen Möglichkeiten wirklich nur bestätigen.
Aber man darf nicht vergessen, dass dieses: „Was begründbar ist, ist wahr.“ oder „Was dem Verstand einleuchtet, ist zutreffend.“ keine Basis ist. Basis ist die Offenbarung eines allwissenden Gottes durch sein Wort. Dort finden wir aber auch Dinge, die weder dem Verstand einleuchten, noch die irgendwie rational eingängig begründbar wären.
Gruß Anna
Hallo Anna.
Ja. Und das dürfen wir auch nicht verbergen. Wir kommen zu unserem Glauben nicht aufgrund unser schlauen Überlegung, sondern weil Gott sich offenbart hat.
Durch Überlegung kommt man sicherlich ein Stück weit, ich denke, dass man durch Überlegung tatsächlich auf einen Schöpfer schließen kann – aber wie dieser ist und wie dieser handelt, das bleibt uns verborgen – weil wir Geschöpfe sind – solange dieser Gott sich nicht uns offenbart. Voraussetzung dafür, dass wir Gott erkennen ist, dass Gott zuerst gesprochen hat und sich uns mitgeteilt hat. Wir sind abhängig davon, dass er sich uns zeigt.
Wir als Christen begründen unseren Glauben letztlich so: Weil wir durch unser Nachdenken nur begrenzt Gott erkennen können und nur begrenzt Aussagen über ihn treffen können, braucht es Gott, der sich uns zeigt, der sich uns offenbart und uns sagt, wie er wirklich ist.
Nachdem Gott vor Zeiten manchmal und auf mancherlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn [...]
( Hebräer 1,1 )
Jesus ist aber nicht nur einfach so gekommen, sondern er hat den Juden, allen voran den Aposteln tatsächlich Argumente an die Hand gegeben, die seine Stellung als Messias bekräftigten.
Man denke an die “Zeichen”, die er tat ( ich spreche ungern von “Wundern”, weil dann wieder die unsinnige Diskussion kommt, unter dem Vorzeichen “ich kann nicht glauben, weil die Bibel von Wundern berichtet, ich aber nicht an Wunder glaube” – Jesus sagt: “Ein Grund an mich zu glauben, sind gerade die Werke ( gemeint sind Wunder / Zeichen) , die ich tue, die bezeugen, dass ich von Gott gesandt bin” – die Zeichen sollten durchaus Glauben wecken, wenn auch in gewissem Sinne “nur” sekundär. Man denke an die Auferstehung, die die Apostel durch die Apostelgeschichte hindurch wieder und wieder bezeugten und als ihr Hauptargument nahmen um Jesus Anspruch zu untermauern.
“Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen.”
( Apg. 2, 32 )
Und wir glauben letztlich heute auf das Zeugnis der Apostel hin, die den Glauben ja mit allerlei Tatsachen ( Jesu Lehre, Jesu Kreuzigung und Auferstehung, Jesu Zeichen und Wunder) begründet haben, von denen sie behaupteten, diese mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört zu haben.
Nur um ein wenig zu demonstrieren, worauf ich hinauswollte.
LG
Simon
Hallo Simon,
prinzipiell sehe ich es genauso und ich würde noch erweitern, wir brauchen nicht nur das Wort Gottes selbst um Gott zu erkennen – sondern auch, um die alltägliche Wirklichkeit (Erfahrungen usw. inbegriffen) zu begreifen. Warum? Woher? Wozu? – da kann man nachdenken bis …, das Wort eines allwissenden Schöpfers ist hier nie zu schlagen. Selbst wenn alle um dich herum spotten …
Oder anders: Allwissenheit kann nicht mehr überboten werden. Deswegen ist es ja so großer Unsinn sich allein auf den eigenen Verstand oder die eigene Rationalität zu verlassen, die ja nie den Zustand von „Allwissenheit“ erreicht.
Bei all dem muss man aber auch immer wieder erinnern: der christliche Glaube ist kein schizophrener, unlogischer, unbegründbarer Glaube. Nur an der Akzeptanz des Verstandes des Menschen darf man ihn nicht ausrichten. Der Mensch ist nur in der Position des Nachvollziehenden – nicht in der Position des Urteilenden (im Sinne von akzeptabel, weil vernünftig …).
Bei all diesen Überlegungen finde ich es dennoch nicht verwerflich, wenn man Gläubigen auch mit sehr kritischen Fragen nicht gleich eine Opposition gegen Gottes Wort unterstellt. Kommt ja mitunter auch oft vor.
Von Gläubigen darf man schon erwarten, dass sie aus Liebe zur Wahrheit die ein oder andere „Ungereimtheit“ im Wort Gottes gern geklärt hätten.
Die Vernunft des Gläubigen unterscheidet sich doch erheblich von der Vernunft des Ungläubigen, nicht weil der Gläubige besser wäre als der Ungläubige oder weil einer „intelligenter“ als der andere ist oder …
Es ist Gottes Werk, dass der eine nicht mehr gegen Gott rebelliert – der andere aber noch … und der Verstand spielt da keine untergeordnete Rolle …
Dieses (Ende des Beitrages):
„Natürlich kann ich als Christ heutzutage niemandem „beweisen“, dass Jesus auf dem Wasser gelaufen ist, aber ich kann sehr wohl begründen, weshalb Jesus der ist, der mein Vertrauen verdient. Das kann ich nur sagen, wenn ich weiß, was Jesus gesagt hat und wenn ich verstanden habe, an wen ich da glaube und warum.“
ist eigentlich nicht ganz zutreffend.
Deine Aussage trifft es eher: „Und wir glauben letztlich heute auf das Zeugnis der Apostel hin, die den Glauben ja mit allerlei Tatsachen (Jesu Lehre, Jesu Kreuzigung und Auferstehung, Jesu Zeichen und Wunder) begründet haben, von denen sie behaupteten, diese mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört zu haben.“
Augenzeugenberichte sind sogar unter Ungläubigen Beweise, um bspw. Gerichtsurteile zu fällen….
Aber zwischen einem „Augenzeugenbericht“ und einem „akzeptiert, weil mir vernünftig oder …“ tun sich schon Gräben auf gerade wenn es um Schriftzeugnisse geht.
LG Anna
Manchmal sollte ich tatsächlich genauer formulieren, was ich mit dem, was ich sage, eigentlich meine. Wenn ich sage:
“Natürlich kann ich als Christ heutzutage niemandem „beweisen“, dass Jesus auf dem Wasser gelaufen ist, aber ich kann sehr wohl begründen, weshalb Jesus der ist, der mein Vertrauen verdient. Das kann ich nur sagen, wenn ich weiß, was Jesus gesagt hat und wenn ich verstanden habe, an wen ich da glaube und warum.”
meine ich damit:
Egal ob es jetzt um die Totenauferweckung des Lazarus geht, ob es um die Jungfrauengeburt geht, ob es darum geht, dass Jesus einen Blindgeborenen heilt. Wenn ich mit einer Einstellung an die Sache herangehe, die a priori sagt: “Es gibt keine solchen Wunder”, dann muss ich schlussfolgern: Diese ganzen Begebenheiten sind entweder anders zu erklären oder sind sogar gelogen. Und damit sage ich: “Meine Vernunft besagt: Da es keine Wunder gibt, sind solche Schilderungen von Wundern unglaubwürdig, weil unvernünftig”.
Und jemandem, der so denkt, kann man wenig helfen, weil die Grundannahme, die er macht, die ist, dass es keinen Gott gibt und somit auch keine Wunder und damit auch keine Wunder, die Jesus getan haben könnte. Also ist die Bibel für so jemanden schon von vorn herein disqualifiziert, wenn sie von Wundern spricht.
Wie begegne ich als Christ einem Menschen, der so denkt?
Ich denke, es ist klar, dass ich als Christ nicht in die Vergangenheit reisen kann um zu beweisen, dass diese Wunder tatsächlich geschehen sind. Aus unserer begrenzen Perspektive ist einfach einmal nur zu sehen, dass es Menschen gab, die damals behaupteten, dass diese Dinge, die von Jesus berichtet wurden, tatsächlich geschehen sind. Ich kann nicht hingehen und jemandem ein Wunder vorführen und so Gott demonstrieren.
Ich hab einmal mit einem guten Bekannten, einem Atheisten diskutiert und wir sind recht weit gekommen, bis dahin, dass keiner von uns beiden letztlich weiß wie die Welt, in der wir leben, enstanden ist ( im Sinne von “ich war dabei und hab gesehen, wie all das zu dem geworden ist, was es heute ist”). Und nun, gerade an so einem Punkt hört dann eigentlich das diskutieren auf, denn spekulieren kann man viel, aber letztlich kommt man nicht wirklich von der Stelle. Aber an diesem Punkt wird dann sehr klar, dass jemand als Atheist nicht a priori davon ausgehen kann, dass es keinen Gott gibt. Das kann er nicht. Er muss zugeben, die Möglichkeit eines Gottes besteht durchaus. Und so konnte ich meine Position demonstrieren:
“Ich glaube nicht, weil ich alles weiß oder alles verstehe. Ich glaube auch nicht, weil ich alles, was in der Bibel geschrieben steht, nachweisen könnte. Aber meine Position ist die: Weil wir Menschen durch unser begrenztes Wissen und Denkvermögen Gott eben nicht erkennen und “auf unser Niveau herunterziehen können”, muss sich Gott selbst, wenn er will, dass wir von ihm Kenntnis nehmen, offenbaren. Und ganz verkürzt und vereinfacht ausgedrückt, ich denke, dass diese Offenbarung Gottes letztlich zentral durch einen Mann geschehen ist, den Gott dadurch als seinen eigenen Sohn beglaubigt hat, dass er ihn aus den Toten auferweckt hat”.
Das anzunehmen, dafür gibt es Gründe, die Jesus selbst in den Evangelien heranzieht um sich als der Messias, als der Sohn Gottes auszuweisen. Deswegen ist es – meines Erachtens am “vernünftigsten”, Jesus selbst zu Wort kommen zu lassen, wenn es darum geht, seinen eigenen Anspruch zu verteidigen. Dabei argumentieren nicht primär wir, sondern primär Jesus Christus selbst. Wir müssen mitdenken und auch bspw. die Kultur kennen und verstehen, in die Jesus hinein geboren wurde, wir müssen die antike Kultur berücksichtigen, in der Paulus predigte – um Paulus Predigen zu verstehen, aber die eigentliche Argumentation geht von den Aposteln und natürlich Jesus selbst aus.
Ich denke, gerade die Evangelien kann man unter diesem Gesichtspunkt lesen und sind auch so gedacht, wenn man an Lukas Vorwort seines Evangeliums denkt:
“Nachdem schon viele es unternommen haben, eine Erzählung der Tatsachen abzufassen, die unter uns völlig erwiesen sind, wie sie uns diejenigen überliefert haben, welche von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind; so schien es auch mir gut, der ich allem von Anfang an genau nachgegangen bin, es dir der Reihe nach zu beschreiben, vortrefflichster Theophilus, damit du die Gewißheit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist.”
( Lukas 1, 1-4 )
Es wäre sicherlich noch viel dazu zu sagen, aber ich hoffe, es ist angekommen: Die Glaubensgrundlage ist nicht: Ich glaube das, weil ich alles, was mit meinem Glauben zusammenhängt, völlig verstehe. Wenn dem so wäre, dann könnte niemand irgend etwas glauben, weil jeder Mensch offene Fragen hat und Dinge, die er nicht beantworten kann.
Die Glaubensgrundlage ist aber: Gott hat zu Menschen gesprochen, durch Menschen wie Moses, Jesaja, , David, Jona. Und zuletzt durch Jesus und durch seine Apostel, die seine Botschaft weitertrugen. Natürlich wird das von allen Seiten und auf verschiedenste Weise beschossen und angegriffen und man weiß manchmal nicht, wo es am meisten brennt. Aber natürlich – Jesus gab seinerzeit schon ein gutes Ziel ab.
Nebenbei: Ein Stück weit hat bspw. der Atheismus das Problem, dass er in diesem Sinne keine Glaubensgrundlage hat. Er kann sich nie auf eine positive Bestätigung seines Glaubens berufen. Man kann sich das wie ein Zimmer mit einer verschlossenen Tür vorstellen, das über einen gewissen Zeitraum beobachtet wird und weil man meint, keine Stimme zu vernehmen, man die Schlussfolgerung zieht, niemand sei im Zimmer. Das folgt nicht automatisch und deswegen verstehe ich nicht ganz, weshalb es richtigen Atheismus gibt, konsequenter wäre ein Agnostizismus, der sagt: “Ich habe bisher nicht von Gott gehört, also glaube ich auch nicht”. Der bekennende Atheist kann letztlich nur leugnen, hat aber in dem Sinn eben keine positive Bestätigung wie es ein Christ hat, der bspw. Jesus Worte liest: “Wer an mich glaubt, der hat ewiges Leben”.
Zum Schluss:
).
( Eigentlich wollte ich heute morgen meine Zeit anders nutzen
Mit “begründen” meinte ich nicht, dass ich für jeden einzelnen Aspekt meines Glaubens eine sofort logisch nachvollziehbare Erklärung habe. Ich meinte aber, dass es tatsächlich Gründe geben muss, die für einen Glauben oder eine Auffassung sprechen. Unsere Ratio ist dabei aber nicht die Quelle der Wahrheit, sondern die Wahrheit legitimiert sich selbst und begründet sich letztlich selbst.
Wenn Gott gesprochen hat, muss sein Wort die höchste Autorität haben, weil er Schöpfer ist und er selbst die letzte Autorität ist. Das entbindet uns aber nicht davon, danach zu trachten, die Botschaft Gottes tatsächlich zu verstehen. Als Jesus versucht wird, wird Gottes Wort vom Satan verdreht dargestellt. Gottes Wort kann also durchaus falsch gebraucht werden und Jesus hat durchaus seinen Verstand gebraucht, um dem zu entgegnen. Und als Geschöpfe, die Gott mit Verstand geschaffen hat, wäre es durchaus kriminell, diesen nicht zu gebrauchen, wenn wir Gottes Wort begegnen. Ebenso muss unser Glaube natürlich begründbar sein, was ja der Punkt dieses Beitrags war.
LG
Simon
Sehr guter Artikel, Simon.
Du bist einer der Wenigen die im Endeffekt sagen:
“Gott ist logisch” und nicht eine vage Blase an die man einfach “glauben” muß.
Am Anfang war “das Logos” (Wort) und “das Logos” war bei Gott.
Nicht zufällig kommt “Logik” von dem griechischen Wort Logos welches auf Deutsch “Wort” bedeutet.
Ja man muß und kann seinen Glauben begründen und gesegnet sei ein jeder der dies tut und nicht nur salbungsvolles Geschwätz von sich gibt.
Gottes Segen und Gnade seien mit dir,
noRiddle