Der Kindle Fire im Langzeit-Test

29 Sep

Vorweg: Ich setze voraus, dass Interessenten des Gerätes soweit in der Lage sind, sich z.B. via amazon über den den Kindle Fire zu informieren – heißt, ich nehme im Artikel keine Rücksicht auf gänzlich Unkundige und setze voraus, dass man z.B. UMTS, Bluetooth und W-LAN voneinander unterscheiden kann.

In ungefähr einem Monat wird der Kindle Fire in Deutschland erscheinen. Das ist Anlass noch einmal rückblickend einen Beitrag zum Kindle Fire zu schreiben. Ich habe das Gerät (fast identisch mit dem nun erscheinenden deutschen Modell) nun bald 10 Monate genutzt (so schnell geht die Zeit herum). Ich habe darauf Bücher gelesen, im Internet gesurft und Musik gehört. Ich habe Apps installiert und benutzt, Videos geschaut und mit dem Gerät eben all das getan, was man so tun kann.

Wenn ich das Gerät auf seinen Nutzen aus heutiger Sicht bewerte, so muss ich feststellen, dass der Kindle Fire durchaus recht günstig zu haben ist. 160 Euro (so viel wird der Kindle Fire in Deutschland in der günstigsten Ausführung kosten) sind ein günstiger Preis für ein solides Gerät. Tatsächlich. Dennoch gibt es einige Dinge am Gerät, die ich als Einschränkungen betrachte, auf die ich gerne verzichte.

1. Die von Amazon bereitgestellte und wohl nicht (ohne Weiteres) austauschbare Benutzeroberfläche, die sehr auf Amazons Medienangebote hin optimiert ist. Diese schränkt einen mitunter recht stark ein.

2. Lediglich W-LAN kann benutzt werden um z.B. ins Internet zu gehen. Keine UMTS-Nutzung. Das ist ein Vorteil für manches Gerät, für das man mehr bezahlt.

3. Der Effektive Speicherplatz von 5,5 Gigabyte für Nutzer-Inhalte ist nicht sonderlich ergiebig. Meine sehr gut komprimierte Luther-Audio-Bibel benötigt allein schon mehr als 1GB an Daten. Hat man dann noch 2 oder 3 gut komprimierte Filme und ein paar Bücher gespeichert, wird der Platz auf dem Gerät schnell eng. Abhilfe schafft da höchstens das höherpreisige Modell „Kindle Fire HD, das es in einer 16GB und einer 32GB-Variante zu kaufen gibt.

4. Alternative Geräte können das Gleiche – und noch mehr. Der Kindle Fire in Standard-Ausführung verfügt über keine Kamera und kein Mikrofon. Man muss dann schon zum Kindle Fire HD greifen, der mit 16GB Speicher 200Euro kostet und mit 32GB Speicher bei 250 Euro angesiedelt ist, will man eine Frontkamera, integriertes Mikrofon und Bluetooth nutzen. Letztere 3 Dinge sind z.B. sehr nützlich, will man z.B. eine Skype-App nutzen um übers Internet komfortabel zu telefonieren. Ähnliche Geräte können all das zu einem ähnlichen Preis. Zudem kann man auf ähnlichen Geräten genauso gut Amazon-E-Books lesen wie auf dem Kindle Fire, denn die Kindle (Fire)-App ist sowohl auf Android als auch auf Apple-Tablets – wie auch auf Mobiltelefonen eine praktische und fein nutzbare Sache. Ebenso ist auch die Amazon MP3-App auf Fremdgeräten so gut nutzbar wie die integrierte Musik-Funktion des Kindle-Fire. Man  kann auf anderen Geräten wie dem Google Nexus 7 also genauso gut Kindle-Fire-Funktionen nutzen – ohne den Nachteil zu haben, in der Amazon-Benutzer-Oberfläche gefangen zu sein.

5. Der Akku hält – verglichen mit einem Kindle mit Ink-Display – nur sehr kurz. Das ist aber allgemein ein Problem von den kleinen und praktischen Tablets, die durch das Display und die hohe Rechenleistung auch entsprechend Energie benötigen.

6. Es fehlt ein GPS-Modul. Das Kindle-Fire könnte ein sehr praktisches Gerät für unterwegs sein mit einer Vielzahl von nützlichen Funktionen. So könnte man ihn durchaus als Navigationsgerät nutzen mit einer gut sichtbaren Karte. All das bleibt dem Käufer, der sich so ein Auto-Navi womöglich sparen könnte, verwehrt.

Dennoch:

Der Kindle Fire ist ein solides Gerät. Wenn einen die Einschränkungen nicht stören und man die Funktionen, die geboten werden nutzt, und damit klar kommt, dass Amazon den Nutzer mehr als unterschwellig dazu bringen will, bestimmte amazon-eigene Dienste zu nutzen, dann macht man hier nicht viel falsch. Andererseits ist aber auch ganz klar zu sagen: Wer einen Kindle primär als Lesegerät für Bücher nutzen will, ist bei den klassischen Kindle-E-Book-Readern von Amazon sicher besser aufgehoben. Die haben wesentlich weniger Stromverbrauch, sind auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar und man kann sich aufs Lesen konzentrieren und hat nicht so viel Schnick-Schnack, der einen vielleicht ablenkt.

Mein Kindle Fire wird immer noch genutzt. Aber  nicht mehr ganz so, wie er ursprünglich ausgeliefert wurde. Damit kann ich leben. Ist ein gutes Gerät, das ich gern nutze. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass es besser nutzbare Alternativen gibt.

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