Gesehen: Ruf nach einem gesunden Menschenverstand und heilsamer Skepsis

30 Sep

Was mir zu Zeiten mit am meisten Probleme bereitet, ist die Tatsache, dass manche gläubigen Christen es ganz besonders gut mit ihrem Glauben meinen und geradezu leicht-gläubig sind in Bezug auf bestimmte, von ihnen bevorzugte Quellen. Dieser Artikel, gefunden auf dem Distomos-Blog, spricht ein Problem an, dem ich immer wieder begegne. Dazu muss ich sagen, dass ich auch einen ähnlichen Hintergrund wie der Autor des Artikels habe und bei manchem, was mir in christlichen Kreisen begegnet, ähnlich denke. Ich finde es wichtig, Dinge zu hinterfragen, auch vor allem solche, die in christlichen Kreisen z.B. übers Internet verbreitet werden. Vor allem kann man als Christ doch nicht einen so fahrlässigen Umgang mit Information und Wissen pflegen. Im Beruf kann ich mir das ja auch nicht leisten. Sollte es nicht der Wunsch eines gläubigen Christen sein, wirklich auch wahre und korrekte Informationen weiterzugeben? Wenn wir Gläubigen manchmal von Weltmenschen dumm angeschaut werden, hat das leider manchmal durchaus seinen Grund. Und das finde ich traurig.

http://distomos.blogspot.de/2012/09/uber-gesunden-menschenverstand-und.html

(siehe auch diesen weiteren Artikel zum Thema “christliche Hoaxes”: http://www.gottes-kinder.de/hoax/)

Auszug aus dem Artikel “Ruf nach einem gesunden Menschenverstand und heilsamer Skepsis: Ein Gegenmittel für Leichtgläubigkeit und Hysterie” von Roger Olson:

[...] Hier ist ein weiteres Beispiel aus meiner Erfahrung; ich wuchs in der pfingstlich-charismatischen Bewegung mit ihrer Betonung auf Heilung auf. Als ich ein Kind war, gab es pfingstliche Evangelisten, die herumzogen und dafür beteten, dass die Zähne der Leute mit Gold gefüllt wurden. Es gab Leute in unserer Gemeinde, die behaupteten, dass ihre Zähne von Gott mit Gold gefüllt worden waren, als ein Evangelist für sie betete. Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind dachte: „Warum sollte Gott einen Zahn mit Gold heilen? Warum würde Gott den Zahn nicht einfach heilen, indem er seinen Zahnschmelz wiederherstellt (oder andere natürliche Materialien, die in einem gesunden Zahn zu finden sind)?“

Dann, als ich ein junger Erwachsener war, begannen sich gewisse charismatische Heiler darauf zu spezialisieren, „Beine zu verlängern.“ Sofort bezweifelte ich dies. Plötzlich gab es Tausende von Menschen, die zu den Erweckungsveranstaltungen dieser Heilungsevangelisten gingen und sich eines ihrer Beine verlängern ließen, damit es genauso lang wurde wie das andere. Ich nahm an einem solchen „Heilungsgottesdienst“ teil und beobachtete, wie das Bein eines Mannes angeblich unter Gebet der Evangelisten von Gott verlängert wurde (ich benutze „Evangelisten“ im Plural, da es sich bei zwei der bekanntesten charismatischen Heilern von kurzen Beinen um ein Ehepaar aus Houston, Texas, handelte). Ich beobachtete dies und sah nichts. Aber der Mann, die Evangelisten und die Leute proklamierten laut, dass das Bein des Mannes tatsächlich „länger wurde“ als das andere Bein! Es ist ein Wunder! Dann mussten sie zu Gott beten, damit das Bein wieder kürzer wurde, damit es gleich lang war wie das normale Bein.

Ich habe nie an den „Dienst des Beineverlängerns“ geglaubt. Kann Gott ein kurzes Bein heilen und es auf normale Länge bringen? Zweifelsohne kann er dies. Gibt er gewissen Heilungsevangelisten diese Gabe? Werden Tausende von Menschen auf diese Weise während charismatischer Heilungsveranstaltungen geheilt? Ich glaube das nicht. Und ich habe das nie geglaubt.

Dies ist ein Grund, warum ich den pfingstlich-charismatischen Zweig des Christentums verlassen habe: Weil ich es wagte, Zweifel in Bezug auf diese Dinge zu äußern, wurde ich als Skeptiker und folglich als ungeistlich bezeichnet und gemieden. Nicht physisch gemieden, sondern mir wurde ein Stempel aufgedrückt und ich wurde lächerlich gemacht und es wurde mir gesagt, ich müsste mit Gott in Ordnung kommen. Ich empfand, dass ich keine andere Wahl hatte, als eine gesündere geistliche Heimat zu finden, obgleich ich noch immer an die heilende Macht Gottes glaubte und noch glaube.[...]

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