Der Herr wacht über seine Schafe ( Ravi Zacharias )

Im Jahre 1971 war ich im Vietnam. Ich war so Mitte 20. Und ich hatte dort einen Übersetzer, 17 Jahre alt und der hatte den Namen Fam Hien – H-I-E-N . Ich hatte ihn seit 1971 nicht mehr gesehen, das nächste mal als ich ihn sah war 1988. 17 Jahre später also, da war er dann doppelt so alt wie damals. Ich sagt: „Hien!“ als er mich aus riesiger Entfernung anrief:  – „Mein Bruder Bruder Ravi, mein Bruder Ravi, ich hab dich so sehr vermisst!“ – Wir haben eine Stunde lang telefoniert, und dann besuchte er mich in unserem Haus und verbrachte Zeit mit meiner Familie. Ich sagte: „Hien, wie ist es dir all diese Jahre ergangen?“ Er sagte: „Ravi, du würdest mir die Details nie glauben, wenn ich dir alles genau erzähle, lass es mich ganz kurz machen:

„Weil ich ein Christ war, weil ich für die Missionare und für die Amerikaner Übersetzer war, wurde ich plötzlich eines Tages verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Und als ich hinter Gittern war, gaben sie mir die Schriften von Marx und Engels und mit Gehirnwäsche brachten sie mich dazu, Gott zu leugnen. Monat um Monat, nach über eineinhalb Jahren schwerer mentaler Folter, sagte ich:  In Ordnung, ich werde nicht mehr an Gott glauben. Ich werde leugnen, dass Gott überhaupt existiert. Und was geschah, als ich über diese Dinge nachdachte, als ich versuche über all das nachzudenken, was auf dem Spiel stand, sagte ich: In Ordnung, ich werde nicht mehr an Gott glauben und ich werde morgen, wenn ich aufwache, zum ersten mal in meinem Leben nicht beten.“ Und er betete nicht. „An jenem Tag sorgte der Kommandant dafür, dass ich die Toiletten putzte in jenem Gefängnis“. Er sagte: „Das war schrecklich. Der Gestank war entsetztlich, Ravi. Ich konnt es kaum aushalten. Und als ich jene Toiletten im Gefängnis putzte, da hab ich in den Altpapierkorb geschaut“. Vergebt mir, wenn ich euch das jetzt so erzähle, wie er es mir damals erzählte. Er sagte: „Ich sah da Papier, wo menschliche Exkremente drauf waren und ich leerte das Papier in einen Sack, als ich aus dem Augenwinkel sah, dass eines der Blätter auf Englisch geschrieben war und ich hatte schon so eine lange Zeit kein Englisch mehr gelesen. Ich sah mich um, aber niemand beobachtete mich, ich befreite das Papier von all dem Schmutz und steckte es in meine Hosentasche. Ich ging zurück in meinen Schlafraum und wartete bis all meine Zimmerkollegen schliefen und versteckt unter dem Moskitonetz mit einer Taschenlampe, schaute ich mir dieses Stück Papier an und oben rechts stand dran: „Römerbrief Kapitel 8“ und ich fing an zu lesen:

Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alles zum Besten mitwirkt denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Und weiter: Wer will verdammen? Christus, der uns auch vertritt? Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger […]

Er las und las und sagte: „Die Tränen liefen mein Gesicht herunter, ich ging auf die Knie und sagte: HERR, du lässt mich nicht mal für 24 Stunden aus deiner Reichweite. Vergib mir. Am nächsten Tag ging ich zum Kommandanten: „Wäre es möglich, dass ich die Toiletten jeden Tag putze?“ – Er ging da jeden Tag rein und der Kommandant hatte vor langer Zeit von Missionaren ein Neues Testament bekommen und benutzte es als Klopapier jeden Tag in der Toliette, Hien wusch das Papier, tat es in seine Tasche und brachte es weg und so sammelte er den ganzen Römerbrief hier in einem Gefangenenlager in Vietnam. Letztlich ließen sie ihn frei und er versuchte zu entkommen. Er baute ein Boot mit 53 anderen. 5 Vietkong kamen zu ihm und sagten: „Ihr versucht abzuhauen, oder?“ Er sagte: „Nein!“ – „Sag uns die Wahrheit, ihr versucht abzuhauen“ und er sagte „Nein!“ Und sie gingen weg. Und er sagte: Oh Herr, ich versuche schon wieder mein eigenes Leben zu leben, wo du mir doch gezeigt hast, dass du alles unter Kontrolle hast, vergib mir, wenn sie noch einmal zu mir kommen, dann werd ich ihnen die Wahrheit sagen. Eine Stunde bevor sie abhauen wollten kamen diese Männer zurück: „Hien, ihr versucht, dieses Land zu verlassen, oder?“ Er sagte: „Ja, was wollt ihr tun? Mich wieder ins Gefängnis stecken?“ Sie steckten ihn in einen Raum, verschlossen die Tür und sagten: „Nein, wir wollen mit euch fliehen“ Und sie kamen mit aufs Boot und auf hoher See sagte er, wären sie ertrunken, aber diese 5 Männer waren erfahrene Seeleute und waren in der Lage, das Boot letztlich in Sicherheit und nach Thailand zu bringen. Heute lebt er in Californien, wo er sein Wirtschaftsstudium abgeschlossen hatte und dem Herrn im christlichen Dienst dient, sich daran erinnernd, was der Herr für ihn in der Vergangenheit getan hat.

Meine Damen und Herren. Er ist nicht nur der Gott, der unser himmlischer Vater ist. Er hat in unserem Leben gehandelt und er HANDELT in unserem Leben. Habt keine Angst, noch seid entmutigt vor dieser großen Armee, denn der Kampf ist nicht euer, sondern des HERRN. Habt Glauben an den HERRN euren Gott und ihr werdet bewahrt[…]

Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.[…] Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Weltzeit!

( Matthäus 28, 18 u. 20 )