Ein paar Gedanken zu Paul Washer

Obwohl ich so manches Video von Paul Washer zu übersetzt und zu untertitelt habe, möchte ich in dem Zusammenhang einfach ein paar Dinge erwähnen, die zu den ganzen Videos zu bedenken sind. Grundsätzlich muss ich immer wieder betonen, dass Paul Washer meistens im Kontext der amerikanischen Christenheit predigt. Obwohl es gewisse Ähnlichkeiten zu unserer christlichen Kultur gibt, gibt es doch auch Unterschiede, so dass sich manche Predigt eben nicht 1:1 auf Deutschland beziehen lässt.

Ich kann nicht alles, was Paul Washer im amerikanischen Kontext sagt, 1:1 auf mich als Christen und meine Gemeinde in Deutschland / Österreich / Schweiz /  Europa beziehen. Vieles kann man sehr wohl 1:1 übertragen, aber nicht alles.

Wir in Europa sind inzwischen von der ganzen Gesellschaft her deutlich atheistischer und weniger religiös als es die Amerikaner sind. In Amerika gibt es prozentual wesentlich mehr Menschen, die sich tatsächlich als Christen bezeichnen würden. Es gibt verhältnismäßig mehr Menschen, die regelmäßig eine Kirche besuchen und sich als Christen bezeichnen würden, es ist wesentlich mehr fromme Fassade da. Bei uns kehrt man heute eher offen dem christlichen Glauben den Rücken, was in Amerika in dem Maße noch nicht der Fall ist und entsprechend anders ist dann eben auch die Situation in den christlichen Kirchen dort.

Ein weiterer Unterschied bspw. besteht darin, dass wir besonders stark die beiden großen Volkskirchen vertreten haben, die katholische Kirche und auch die evangelische, die aber beide auch sehr vom Gedankengut der sogenannten wissenschaftlichen Bibelkritik durchdrungen sind. Wir haben – wie gesagt – in einem bestimmten Sinne manchmal mehr mit offenem Unglauben zu tun als mit christlicher Fassade.

Auffallend ist auch, dass es bei uns selten den Gedanken gibt: “Was macht einen wirklichen Christen aus?” – Es ist eher die Frage, die man oft gestellt bekommt, wenn man sagt, dass man Christ ist : Bist du ( römisch ) katholisch oder evangelisch? Und alles andere wird eher mit den Zeugen Jehovas als mit “Christentum” in Verbindung gebracht. Mir klingelt das in den Ohren: “Was, ihr glaubt streng der Bibel? So wie die Zeugen Jehovas?” . Darüber könnte man sich noch viele Gedanken machen.

Und, eben weil diese Unterschiede vorhanden sind, kann ich nicht jede Aussage, die Paul Washer in einer Predigt macht, 1:1 auf unsere eigene Situation übertragen. Ja, die europäische Kultur wird von der amerikanischen  Kultur deutlich beeinflusst, aber dennoch unterscheiden sich die Kulturen in mancher Hinsicht deutlich. Ich will nicht die teilweise berechtigte Schärfe aus den Predigten herausnehmen, aber eine Predigt wie die “Shocking Message” ist eben nicht zu 100prozent einfach auf die deutsche Situation zu übertragen.

Ja, in gewisser Hinsicht ist die deutsche evangelikale Landschaft auch von der amerikanischen evangelikalen Landschaft stark beeinflusst, aber es bestehen doch auch Unterschiede, die ich schon aufzuzeigen versucht habe. Ich denke, das ist etwas, was man bei manchen der Predigten, die ich übersetzt habe, spürt und was man dazu eben auch bedenken muss. Wir haben teils andere Nöte und andere Probleme, die in diesen  Predigten weniger angesprochen werden und ich finde, es ist auf jeden Fall wert, uns Gedanken zu machen, wo hier bei uns spezifische Probleme und Nöte in den Gemeinden und in der Welt anhand des Wortes Gottes, anhand der Schrift anzusprechen wären.

Wir brauchen nicht genau die gleiche Korrektur wie die amerikanische Christenheit, wir brauchen auch nicht die gleiche Korrektur wie die chinisische Christenheit. Wo liegen manche unserer Nöte und Probleme und was ist Gottes Antwort auf diese? Darüber dürfen wir nachdenken. Was sagt uns Gott in seinem Wort? Was bedeutet Gottes Wort? Wie sollen wir als Christen in dieser Gesellschaft, in der wir uns nun einmal befinden, leben, denken und handeln? Das sind Fragen, die es wert sind, über sie nachzudenken.

In diesem Sinne,

Liebe Grüße meinen Lesern.

Simon

Über unwise Sheep

"Die Zeit benötigt eines, damit sie Sinn hat: Ewigkeit!" (unbekannt )
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13 Antworten zu Ein paar Gedanken zu Paul Washer

  1. Daniel schreibt:

    Du hast die Situation sehr gut zusammengefasst.

    Was ich als Vorteil sehe in Amerika: Es gibt nur Freikirchen, hier in der Schweiz denken viele Leute Freikirche = Sekte / Landeskirche = normal

    Ich finde Staat und Religion soll getrennt sein so wie in Amerika. Hier in der Schweiz müssen auch Firmen obligatorisch Kirchensteuer zahlen.

    Daher gibt es in der Schweiz sehr viele “Namenschristen”, die sind zwar getauft (Kindertaufe) aber nicht bekehrte Christen.

    Diese Namenschristen glauben dass wir vom Affen abstammen, haben nie oder schon lange kein Wort mehr in der heiligen Schrift gelesen, aber glauben dass sie in den Himmel kommen……..

    Daher finde ich Prediger wie Paul Washer wichtig, dass sich die Zuhörer/Zuschauer hinterfragen und aufrütteln.

    GOTTES SEGEN

    Daniel

  2. Anna schreibt:

    Hallo Simon,

    ich kann nicht ganz folgen.
    Wo würdest du das konkret machen?:

    “die „Shocking Message“ ist eben nicht zu 100prozent einfach auf die deutsche Situation zu übertragen.”

    Was ist bspw. daran nicht 1:1 übertragbar und warum?

    Danke!

    Lieben Gruß Anna

    • unwise Sheep schreibt:

      Hallo Anna

      Paul Washer sagt bspw.:

      “Wisst ihr, dass, wenn ich euch jetzt raus schicken würde in die Stadt und ihr an jede Tür klopfen würdet, ihr 99 Prozent Leute finden würdet, zumindest in dieser Stadt, die glauben, dass sie Gläubige seien? Und wenn man zurück geht in seine Heimatstadt und an jede Tür klopft, und ich hab das gemacht, nachdem ich gerettet war, da habe ich herausgefunden, dass jeder in meiner Stadt ein Christ ist. 85 Prozent davon gehen nicht in die Kirche und die, die in die Kirche gehen, die sind nicht besorgt über Heiligkeit, darüber dem Herrn zu dienen, darüber, sich von der Welt abzusondern, sie sorgen sich nicht darum, dass das Evangelium unter den Nationen gepredigt wird, aber gepriesen sei der Herr, sie sind gerettet”.

      Das kennen wir so nicht. Wenn in Deutschland jemand von sich sagt: “Ich bin Christ”, dann muss das zwar auch noch nichts heißen, aber die Wahrscheinlichkeit ist wesentlich höher, dass er tatsächlich einer ist. Ein gewisser Prozentsatz würde sich einer Kirche zuordnen, aber, dass jemand tatsächlich von sich sagen würde: “Ich bin Christ” ( mit dem zugrundeliegenden Gedanken, dass er sich tatsächlich für einen Christen hält ) , kommt meines Erachtens deutlich seltener vor.

      Was will ich damit sagen? Ich weiß nicht, ob es auf einer großen christlichen Jugendveranstaltung in Deutschland angemessen wäre, so zu predigen. Aber das ist natürlich schwierig zu sagen, ich hab ja auch nur ein begrenztes Bild von der “deutschen Christenheit”.

      Um meine Gedanken auf den Punkt zu bringen: Paulus addressiert die Galater anders als die Korinther, eben, weil andere Probleme und Nöte vorherrschten, bedingt durch die andersartigen Einflüsse und mein Wunsch ist es, nicht an den Menschen vorbeizupredigen, indem sie in einer unpassenden Weise adressiere. Verstehe mich nicht falsch. Es gibt gewisse universale Aspekte des Evangeliums, die für jeden Gläubigen gleich wichtig sind, aber ich werde einem frischen Gläubigen andere Dinge sagen wie einem erfahrenen Gläubigen, ich werde zu einem Gläubigen islamischen Hintergrundes anders sprechen als zu einem, der in einer jüdischen oder hinduistischen Familie groß geworden ist. Und in einem gewissen Sinne macht es auch einen großen Unterschied, in welchem Land und in welcher Situation ein Christ lebt, so dass ich ihn jeweils anders ansprechen muss.

      Ich kann nicht bei jedem Christen das gleiche an Verständnis vorraussetzen und nicht jeder Christ verfügt über denselben Horizont wie manch anderer Christ. Und womöglich ist es für mich – auch besonders im Internet ein Problem, dass ich nicht so recht weiß, was bspw. die Leser dieses Blogs hier an Vorverständnis und Hintergrund mitbringen, um das richtig aufzufassen, was man lesen oder ansehen kann.

      Denn, ohne etwas in seinen richtigen Zusammenhang zu bringen, kann man es von Zeit zu Zeit missverstehen und missdeuten und zu Schlüssen kommen, die so nicht so ganz stimmen.

      Mein Punkt war im Grunde der: Wir haben nicht unbedingt die gleichen Probleme wie unsere amerikanischen Brüder und Schwestern, ja, oft liegen unsere Probleme sehr ähnlich, aber manchmal haben wir mit ganz anderen Dingen zu kämpfen und diese anderen Dinge werden natürlich seitens der Washer-Videos nicht angesprochen und andererseits werden sicherlich Dinge angesprochen, die bei uns eigentlich weniger der Fall sind. Und deswegen sprach ich davon, dass man manches nicht 1:1 übertragen kann und diese Dinge zu wissen, auf jeden Fall unseren Horizont erweitern kann, aber es eben nicht unbedingt “passt”, wenn man genau hinsieht.

      Mancher Ratschlag kann in einem unpassenden Kontext dumme Folgen haben.

      Ich halte meine Ausführungen jetzt sehr allgemein, aber ein gutes Beispiel ist folgender Video-Ausschnitt:

      Die Grundaussage finde ich ansprechend, dennoch findet sich ein Kontext, der eher auf Amerika zielt als auf Europa und wenn Paul Washer sich auf die politische Situation in Amerika bezieht, ist das für uns eben in einem Sinne weniger entscheidend, dennoch hat es Aspekte die zu beachten sind.

      Dasselbe Phänomen findet sich übrigens, wenn man Spurgeon liest, wie er eben oft zu einer Leserschaft / Hörerschaft predigt, die es heute so nicht mehr gibt. Man kann sehr viel wertvolles aus den Predigen mitnehmen, aber dennoch unterscheiden wir uns von den ursprünglichen Adressaten. Jedenfalls spielt das bei Paul Washer eben auch mit rein und ja, ich persönlich empfinde diese Unstimmigkeiten, die dadurch entstehen, manchmal sehr stark, gerade, weil ich es eben übersetze und sehr genau überlegen muss, wie bringe ich das ins Deutsche in einer Weise, die verständlich ist und nachvollziehbar?

      Ich mache mir eben sehr viele Gedanken darüber, ob das, was ich veröffentliche, richtig verstanden wird und ob Missverständnisse von meiner Seite ausgehen oder eher vom Leser.

      LG
      Simon

  3. Matt schreibt:

    Hallo Simon, schätze deine Übersetzungen sehr, aber was haben Traditionen und geographische Verhältnisse mit einem persönlichen Glauben an Jesus Christus zu tun?Nichts, oder? Insofern ist der lendige Glaube an Jesus , den Vater und dem heiligen Geist universell. Traditionen und Religionen sind oft hinderlich zum wahren Glauben durchzudringen.Atheisten gibt es im zunehmenden Masse überall.Seit dem Darwin’s EvT als “bewiesene Tatsache” anerkannt ist und die Esotherik die Menschen mit Gott in Allem Lehre beglückt ist ein planender und liebender Gott der auch Bedingungen an die Menschen stellt nicht mehr gewollt.Stattdessen ist menschliche Lehre das Mass aller Dinge.Die Ergebisse sind enartete Selbstverwirklichung auf Kosten der alten christlichen Werte und Lehren.Aber Gott lässt sich nicht spotten.Er wird auch nicht in unseren liberalen “soviele Wahrheiten wie Meinungen” Chor einstimmen.Er bleibt der Selbe, Gestern, Heute und in Ewigkeit!Und das ist gut so!So bleibt die unverfälschte Bibel der einzige Anker und Halt in einer abdriftenden Welt der Täuschungen und falschen Idole.

    [/quote]
    Epheser 5:11-17 Schlachter 2000 Übersetzung
    und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, deckt sie vielmehr auf;denn was heimlich von ihnen getan wird, ist schändlich auch nur zu sagen. Das alles aber wird offenbar, wenn es vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht.Darum heißt es: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Toten, so wird Christus dich erleuchten!Seht nun darauf, wie ihr mit Sorgfalt wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise; und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. Darum seid nicht unverständig, sondern seid verständig, was der Wille des Herrn ist! [/quote]

  4. unwise Sheep schreibt:

    @ Matt

    Ich weiß nicht, ob du ganz verstanden hast, was ich aussagen wollte. Dass die frühen Christen in Jerusalem andere Probleme wie in Korinth hatten, hat beispielsweise durchaus mit deren geographischen ( und damit politischen ) Lage und Kultur zu tun.

    Natürlich ist der Glaube kultur-und-traditionsübergreifend, aber Christen in einem “islamischen” Land sind ganz anderen Einflüssen ausgesetzt als in einem westlichen Land. Und entsprechend haben sie andere Sorgen und Nöte und müssen sich äußerlich anders verhalten.

    LG
    Simon

  5. Matt schreibt:

    Ist schon klar Simon das du die generellen Unterschiede von DE und USA aufzeigen wolltest.Ich verstehe nur nicht warum du das an PW und seine Art zu predigen fest machen willst. Ich meine der Geist Gottes wird sich dort nicht anders verhalten als hier.
    Das die Predigt hier auf einen anderen Boden fällt ist klar.Macht aber doch nichts.Mich hat sein direkte nicht akademische Art sehr berührt, weil er direkt auf das Wesentliche kommt nämlich Jesus Christus und was er für uns getan hat.

    • unwise Sheep schreibt:

      Ich rede doch nicht von der Art zu predigen. Darum ging es mir nicht. Es ging mir um den Inhalt der Predigten, der eben teilweise schon von der Zuhörerschaft abhängig ist, vor der er predigt. Ich habe oben dazu noch einiges geschrieben gehabt.
      lg

  6. Anna schreibt:

    Danke, Simon für die ausführliche Antwort.
    Mich hatte es etwas überrascht bzgl. der Predigt „Shocking Message“, weil ich nun gerade die sehr passend für Deutschland halte. Wohl weniger, was das Türklingeln angeht, aber viel mehr in Bezug auf die Gemeinden in Deutschland (außerhalb der beiden großen Volkskirchen). An anderer Stelle habe ich einen Kommentar gelesen, der sich auch dahin ausdrückt, dass wir mit nicht wenigen „Christen“ zu tun haben, die meinen aufgrund eines „Übergabegebets“ den Namen „Christ“ zurecht zu tragen …

    Ist es nicht so, dass in unterschiedlichen Situationen (Galatien, Korinth, Ephesus …) immer auch eine ganz bestimmte biblische Lehre besonders ausführlich aufleuchtet – obwohl diese Lehre für sich, allen Gläubigen gemeinsam ist, egal wo?
    Deswegen denke ich bspw., dass Belehrungen in einem esoterischen Umfeld sehr gewinnbringend sind (obwohl nicht jeder in diesem Umfeld ist), weil hier biblische Lehre entfaltet werden muss, die sonst in solcher Ausführlichkeit gar nicht zu hören ist. Ich bin der Ansicht, wenn man mal so auf die Suche geht: Welche biblische Lehre wird hier besonders ausführlich dargelegt und warum? – dann wird etwas dabei herauskommen, was unabhängig von Kultur und Tradition nützt.

    Ich sehe auch, dass es konkrete Anwendungen (Glaubenspraxis) gibt, die so von der Situation abhängig sind, dass sie einmal gut und einmal destruktiv sein können.
    Ich könnte es gut mit „Misthaufen“ vergleichen, die jeder mit sich (oder in sich) herumträgt. Der eine rät zuerst den Misthaufen in Angriff zu nehmen, der andere rät, den anderen Haufen, wieder ein anderer ….
    Was wird am Ende – man fängt an gleichzeitig alle Misthaufen in Angriff zu nehmen und resigniert – am Ende das Scheitern … bzw. die Gruppenausgrenzung, weil sich gar nichts tut. Dabei wäre es so einfach gewesen – nur die richtige Wichtung finden. Und ich denke das bereitet heute vielen erhebliche Probleme. Was ist bei mir dran? Was ist bei der Gemeinde dran? Gibt es so etwas wie eine Rangfolge überhaupt?
    So hört man heute zu dem Thema (und der Prediger macht dieses Thema zum allerwichtigsten) und man ist begeistert und fängt an, morgen hört man zu einem andern Thema (und der Prediger macht dieses Thema zum allerwichtigsten), man ist begeistert und fängt an usw.
    Aber nichts wird fertig, nirgends bleibt man ausreichend lange, man hüpft von Thema zu Thema, von Begeisterung zu Begeisterung – aber nirgends steht man fest.

    Wie würdest du, den Predigtstil eines P. Washer beschreiben:
    Hüpft er von Thema zu Thema bei denen, mit denen er wirklich zu tun hat?
    Bleibt er ausreichend lange bei einem Thema?
    D. h. ist bei ihm eher ein „Crashkurs“ durch soviel wie möglich zu erwarten – oder nimmt er sich die notwendige Zeit und Freiheit auch länger bei einem Thema zu bleiben?
    Bei Übersetzungsarbeiten und Veröffentlichungen kann man dies nicht beurteilen, weil hier ja eine Auswahl vorgenommen wird, man ist nicht „live“ vor Ort sozusagen.
    Beim Hörer (Leser) entsteht dann natürlich der Eindruck, alles ist das „Allerwichtigste“ und alles muss gleichzeitig irgendwie sein …

    Anna

    • unwise Sheep schreibt:

      Hallo Anna

      Es war ja keine Kritik an der Predigt überhaupt und ich finde sie durchaus treffend bezogen auf die Art wie bei uns teilweise evangelisiert wird, dennoch – habe ich in meiner Umgebung -gefühlt – weniger mit falsch-Bekehrten zu tun als vielmehr mit offenem Unglauben, mit Leuten, die für sich in Anspruch nehmen, Ungläubige ( in biblischem Sinne ) zu sein.

      Die “Shocking Message” war mir selbst ja zum großen Segen, ich hatte ja davor nie etwas derartiges gehört und nachdem ich eine ganze Weile später begriffen hatte, was er meint, dachte ich, das wäre ja auch einmal gut, das in Deutsch vorliegen zu haben und deswegen sind die ganzen Videos ja auch über letzten Jahre entstanden. Und dennoch empfinde ich, dass das nicht ausreicht, dass noch mehr zu sagen wäre bezogen auf die christliche und unchristliche Landschaft im deutschen Sprachraum. Aber ich kann nicht genau sagen, was.

      Du schriebst:
      “Ist es nicht so, dass in unterschiedlichen Situationen (Galatien, Korinth, Ephesus …) immer auch eine ganz bestimmte biblische Lehre besonders ausführlich aufleuchtet – obwohl diese Lehre für sich, allen Gläubigen gemeinsam ist, egal wo?”

      Ja, fraglos.

      Du schriebst:

      “Ich bin der Ansicht, wenn man mal so auf die Suche geht: Welche biblische Lehre wird hier besonders ausführlich dargelegt und warum? – dann wird etwas dabei herauskommen, was unabhängig von Kultur und Tradition nützt. ”

      Auch hier, nichts einzuwenden, deswegen halte ich diese Predigten ja auch für wertvoll.

      Ich möchte auf jeden Fall sehr klar betonen: Diese Aussagen im obigen Post waren nicht so gemeint, dass ich die Predigten für unverständlich halte oder für unpassend oder für nicht nütze. Ganz im Gegenteil. Nur denke ich, dass sie noch besser verständlich sind, wenn man die Zuhörerschaft vor Augen hat, die er ansprechen möchte. Ich habe meines Erachtens in meinem deutschen realen Kontext eher mehr mit Leuten zu tun, die das Evangelium offen ablehnen und weniger mit solchen, die es “verdeckt” ablehnen und Schein-Christen sind. Das war der Grund für den Post.

      Zu deinen Fragen:

      “Wie würdest du, den Predigtstil eines P. Washer beschreiben:
      Hüpft er von Thema zu Thema bei denen, mit denen er wirklich zu tun hat?”

      Nein, er hat in der Regel eine klare Richtung, in die er geht und die ändert er nicht ständig, sondern kann auch lange über ein Thema und seine Unteraspekte predigen. Sein großes Thema ist wirklich die Frage: “Was ist das Evangelium und was ist ein Christ?”. Nur spricht er natürlich je nach Zusammenhang anders. Zu Gast spricht er so: http://lannopez.wordpress.com/2010/08/04/bist-du-ein-echter-junger/
      Und zu Hause spricht er so:

      http://lannopez.wordpress.com/2010/09/10/ohne-seine-gnade-keine-hoffnung/

      Du fragtest:

      “Bleibt er ausreichend lange bei einem Thema?
      D. h. ist bei ihm eher ein „Crashkurs“ durch soviel wie möglich zu erwarten – oder nimmt er sich die notwendige Zeit und Freiheit auch länger bei einem Thema zu bleiben?”

      Je, nachdem. Den “Crashkurs” gibt es, wenn er auf Reisen ist, die Details eher, wenn er in einem geregelten Kontext regelmäßig lehrt. Er hat eine ganze Serie mit dem Titel “Journey into the Gospel”, wo er sehr detailliert in vielen Teilen u.a. auch die Lehren der Gnade darlegt.

      http://www.sermonaudio.com/search.asp?seriesOnly=true&currSection=sermonstopic&sourceid=gcc&keyword=Journey+into+the+Gospel&keyworddesc=Journey+into+the+Gospel

      Du schreibst:

      “Beim Hörer (Leser) entsteht dann natürlich der Eindruck, alles ist das „Allerwichtigste“ und alles muss gleichzeitig irgendwie sein …”

      So etwas ist natürlich Unsinn. Ich weiß, dass dieser Eindruck entsteht und naja, ich bin damit manchmal nicht so glücklich, wissend, dass man über manches auch sehr lange nachdenken sollte, damit es, wie du schon sagtest, einfach sitzt und nun, das Prüfen anhand der Schrift braucht auch Zeit. Wie verhalten sich die Dinge tatsächlich? Was sagt die Schrift wirklich? Und naja, so ein wirkliches Verstehen kann erst erfolgen, wenn man auch lange darüber nachsinnt und sich fragt, wie die Dinge wirklich stehen.

      Liebe Grüße
      Simon

  7. Anna schreibt:

    Hallo Simon,

    die Situation kann ich – denke ich – doch gut nachvollziehen, mir geht es mitunter ähnlich.
    Nur, wer sich selbst als „ungläubig im biblischen Sinne“ betrachtet, wird er deine Seite lesen wollen?
    Da habe ich meine Zweifel.
    Was ich damit sagen möchte, wenn du dies oder jenes als unzureichend für deine persönliche Situation empfindest – dann heißt das noch lange nicht, dass die Arbeit, die du leistest mangelhaft oder unbefriedigend wäre. Du beachtest an der Stelle nicht, dass deine Arbeit eine ganz konkrete Leserschaft hat – die wahrscheinlich eben nicht aus „Ungläubigen im biblischen Sinne“ besteht. Die Arbeit, die du machst, ist für eine ganz bestimmte Leserschaft – das was du darüber hinaus suchst, ist etwas anderes.
    Die Bibel – oder sagen wir mal die Briefe, die Offenbarung – an wen sind die gerichtet? Mit Sicherheit nicht an Ungläubige – die Adressaten sind festgelegt.
    Dennoch finden wir dass Christus selbst zu Ungläubigen predigte (er kam in das Seine und die Seinen nahmen ihn nicht auf – dazu hat P. Washer was zu sagen – ; wir finden, dass Paulus zu Ungläubigen predigte in der Apostelgeschichte…)

    Ok., man könnte sagen ich suche Zurüstung für die Christen, die in demselben bekennenden, ungläubigen Umfeld stehen wie ich – das ist ein zusätzliches oder ein anderes Thema, das aber kein Konkurrenzthema zu deinen bisherigen Arbeiten ist.

    Ich bin ein großer Befürworter dessen: sich nicht viele Lehrer zu suchen, sondern mit einem so weit zu gehen wie man kann, dann nach einem andern Ausschau zu halten. Dieses „Lehrerhüpfing“ bringt mitunter viel Verwirrung.
    Hat P. Washer gar nichts dazu zu sagen?
    Ich denke nicht. Du hast mir einen Link (zu Gast) gegeben. Sollte dich das aber nicht zufrieden stellen, dann müsstest du einfach (zusätzlich) nach jemand Anderem Ausschau halten. Das würde aber nicht bedeuten, P. Washer zurückzusetzen – so hätte ich dich auch nie verstanden.

    Vielleicht wirst du zusätzlich fündig, mit deinen Englischkenntnissen steht dir ein viel größerer Raum zur Verfügung als denen, die Englisch nicht so beherrschen. Ich jedenfalls bin auch immer auf der Suche (auf deutsch natürlich).

    In dem Sinne die Gnade unseres Herrn Jesu mit dir und unterschätze die Gnade nicht, die dir bereits verliehen!

    Lieben Gruß Anna
    ______________________________________________________________________

    • unwise Sheep schreibt:

      Ich weiß, dass ich hier im Blog weniger den “Ungläubigen” anspreche. Das ist mir völlig klar und naja, das wird sich wohl, so wie sich alles entwickelt hat, auch nicht ändern.

      Es ist nicht so, dass ich an Paul Washer klebe, ich höre eigentlich ziemlich wenige Predigten von Paul Washer, ich bin schon als frischer Gläubiger eher an Männern geklebt, die sich besonders vor allem durch Sorgfalt und Schriftkenntnis auszeichneten. Diese Leute predigen meist nicht spektakulär und manch einer würde sagen “langweilig”, aber ich mag das.

      Deswegen tu ich mich schwer mit Gläubigen, die einfach wild durch die Gegend zu preschen scheinen mitsamt Auffassungen, die sie weder durchdacht zu haben scheinen, noch ernsthaft verteidigen könnten und das dann auch noch dadurch verteidigen, sie würden Gott beim Wort nehmen. Ich verstehe so was nicht. Ich meine, es geht um Gottes Wort, um ewiges Leben, sollte man da nicht viel investieren um damit sorgfältig umzugehen?

      Nein, ich mag den Intellekt nicht zu einem Götzen machen, ich weiß um meine Begrenzung als Geschöpf und mir geht es nicht darum, nach irgendwelchen kuriosen Dingen in der Schrift zu forschen oder mich in irgendwelchen gedanklichen Sphären zu bewegen, die nichts mehr mit der eigentlichen Botschaft des Evangeliums zu tun haben.

      Aber ich möchte tief graben. Verstehen: Was bedeutet Erlösung? Was bedeutet Glauben? Was bedeutet Sühnung? Und das, was mich vielleicht am meisten beschäftigt, ist: Wie versteht die Schrift sich selbst? Was sagt sie über sich selbst? Warum sollen wir ihr glauben?

      Dafür brennt mein Herz, zu erkennen, was es bedeutet, dass Gott sich offenbart hat, dass er gesprochen hat. Ich meine, das sind die Grundlagen, das ist unser Fundament. Den Jesus Christus der Schrift zu erkennen, den Sohn Gottes, der in den letzten Tagen zu uns gesprochen hat. Manchmal hab ich den Eindruck, dass das alles so selbstverständlich vorausgesetzt wird, aber es ist bei weitem nicht selbstverständlich, dass Gott seinen Sohn gesandt hat.

      Nun, ich höre eigentlich regelmäßig gern den Dr. James White, der seit einer Weile durch den Hebräerbrief geht. Der Hebräerbrief ist – wenn man so was haben kann – wahrscheinlich mein Lieblingsbuch im Neuen Testament.

      Ich denke, dass Paul Washer eben ein Bruder im Herrn ist, von dem ich lernen durfte und weiterhin darf, dessen Aussagen ich aber auch immer wieder anhand der Schrift prüfe und naja, wie gesagt, ich klebe nicht an ihm, aber ich schätze ihn. Ich denke, der einzige, an den wir uns je wirklich festkleben können, das ist unser Herr Jesus und ja, ich denke gerade wieder an Jakobus:

      Wenn aber jemandem unter euch Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden.
      ( Jakobus 1, 5 )

      Naja, ich erzähl zu viel und sollte mal ins Bett. Und morgen in den Gottesdienst.

      Liebe Grüße
      Simon

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  9. Arent, Harry schreibt:

    Hallo Simon,

    das ist doch sehr gut, dass du dich hier so über P.W. äußerst. Ob und in welchem Maße das richtig ist, darüber musste man mal sprechen.

    1. Auf einen Satz zu Beginn deines Artkels möchte ich eingehen. Zum besseren Verständnis habe ich diesen Satz eingefügt.
    “Grundsätzlich muss ich immer wieder betonen, dass Paul Washer meistens im Kontext der amerikanischen Christenheit predigt.” Soweit dein Satz.

    Aufgrund deiner Aussage kann man folgern, dass Jesus zu seiner Zeit auch das Gleiche getan hat. Auch die Junger und Paulus usw. PW predigt im Kontext der amerikanischen Christenheit. Jesus? Junger Jesu? Paulus? Auch alle nachfolgende Christen große und kleine Prediger, haben mit Sicherheit in diesem Sinne gepredigt.

    2. Zum Problem in Deutschalnd.
    – Wir predigen hier im Sinne einer alles übergreifenden Tolleranz. Paulus schreibt dazu in Galater 1, 10. Würde er den Menschen gefallen, wäre er kein Juger Jesu gewesen. Ist das nicht vielmehr ein Zeichen der letzten Zeit? Darüber schreibt Paulus zu Timotheus: “Sie werden sich Lehrer suchen……..”
    – Kein direktes Wort. Keine klare Ermahnung und man soll schon gar nicht die Sünde beim Namen nennen. Christus, Junger und Paulus haben sie auch so gepredigt?
    – Christen sollen ökumenisch denken und somit auch handeln. Erste Gemeinde hat das nicht getan. Weder hat man sich den gegebenen Strömungen noch den “falschen Brüdern” angepasst.
    – Wir sind große Humanisten und Pazifisten. Wo ist das Leben aus dem Geist? Leben in der Heiligung, Handeln nach Gottes Wille. Bekehrung, Wiedergeburt? Wer ist für Jesus Mutter, Bruder und Schwester? Alles Fremdwörter in unserer Gesellschaft und wer darüber predigt, der ist einfach kein guter Mensch – kein Humanist eben.
    – Wir lieben unseren Nächsten sowie unsere Feinde und ihre Philosophie sogar indentifizieren wir uns mit ihren Sünden. Angeblich möchten wir sie damit für Christus gewinnen. Sollte man nicht zuerst mal Gott lieben und aus diesem Aspekt handeln?
    USW.
    Gott möge den Christen in unserem Land die Augen öffnen und sich unserer Erbarmen.

    PW. spricht diese Punkte ganz direkt und ohne Umschweife an. Dabei bleibt er besonnen und liebevoll ohne zu verletzen macht er der sich der Welt immer mehr anpassenden Christenheit klar, dass dies nicht im Sinne Christi und Gottes ist. Die Menschen suchen nach neuen Veränderungen und Wegen aber ohne Gott. Man entwickelt seine eigene Religion, die uns halt passt und es ist notwendig und gut, wenn einer uns endlich von solchen Irrwegen abbringt.

    Es ist klar das PW nur ein Mensch ist wie wir es sind und auch die Apostel waren auch nur Menschen. Aber jeder hat für Gott großes vollbracht, wenn er ausschließlich nur Gott zu Ehren etwas tat. Diese hat ER auch wie PW und andere bevollmächtigt und gebraucht was ER noch heute auch tut.

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