Es ist in Ordnung, den Corona-Virus zu fürchten (Paul Tripp)

Es ist in Ordnung, den Corona-Virus zu fürchten

Wir finden uns selbst in einer Zeit eines beispiellosen Wirbels wieder. Wir sind mit einer erdumfassenden Pandemie konfrontiert und sollten uns einen Moment nehmen, um anhand der Bibel darüber nachzudenken, wie unsere Reaktion auf die COVID-19 (die durch das Corona-Virus verursachte Erkrankung) aussehen kann.

Ich habe nur einen Gedanken, den ich in der heutigen Andacht wiederholen möchte: Habe Angst, aber ergebe dich nicht der Angst.

Diese Aussage mag in sich widersprüchlich erscheinen, aber lass sie mich erklären.

Furcht ist eine der guten Gaben Gottes an uns. Ich denke an drei Arten geistlich gesunder Furcht.

  1. Die Furcht Gottes. Es gibt eine heilige Hochachtung vor dem Allmächtigen, ein Leben in Ehrfurcht, das sich dem König des Universums unterordnet.
  2. Reaktionsschnelle Furcht. Diese ist unsere instinktive Fähigkeit in einem Gefahrenmoment zu reagieren. Man denke an ein Elternteil, das spontan in Handlung gerät, um sein Kind zu schützen, bevor es sich selbst verletzt.
  3. Angemessene Sorge. Diese erlaubt uns nüchtern dem entgegen zu treten, was vor uns ist und mit unserer gott-gegebenen Fähigkeit zu analysieren, treffen wir weise und geplante Entscheidungen um uns und diejenigen, die wir lieben, zu schützen.

Gott hat uns mit der Fähigkeit, Angst zu empfinden geschaffen, denn er liebt uns und will uns beschützen.

Habe Angst, aber ergebe dich nicht der Angst.

Wenn man sich der Furcht ergibt, dann zeigt sich das dadurch, dass das Denken sich auf die momentan gegebenen Schwierigkeiten konzentriert und man gleichzeitig dabei Gott vergisst. Die Furcht offenbart sich selbst, wenn wir unserem Verstand und unserem Herzen erlauben, von dem beherrscht zu werden, was ursprünglich eine angemessene Sorge dargestellt hat.

Ist diese Pandemie (oder all das, was dir Angst macht) alles, worüber du nachdenkst, alles worüber du liest und alles, worüber du sprichst? Wenn irgendein Problem dein ganzes Nachdenken beherrscht, desto mehr wird es dich beherrschen, desto unmöglicher wird eine Lösung scheinen und desto furchtsamer wirst du werden.

In dieser Welt wird dir Gefahr begegnen. Diese Wirklichkeit zu ignorieren ist nicht weise. Gott hat dir die Fähigkeit gegeben, besorgt zu sein. Wenn man sich so verhält, als gäbe es keinen Grund zur Sorge, ist nicht die Lösung.

Das Problem ist, dass dein Nachdenken sich nur um die Schwierigkeiten dreht, die sich dir in den Weg stellen. Wann immer eine Schwierigkeit unser Denken auffrisst, liegt es daran, dass wir in einem ultimativen Sinn Gott vergessen haben. Wir haben vergessen, dass es einen Herrn der Herrlichkeit, Weisheit, Kraft und Gnade gibt, der auf dem Thron seines eigenen Universums sitzt. Keine Schwierigkeit irgendeiner Art – keine Person, kein Ort, keine Pandemie kann seine guten und herrlichen Versprechen an seine Kinder zunichte machen.

Während du umher siehst, mögen die Dinge völlig außer Kontrolle geraten scheinen. Aber, wenn du nach oben schaust, ist diese Welt unter seiner sorgfältigen Beaufsichtigung.

Behaupte ich, ich würde die Pandemie (und all ihre Hintergründe) verstehen? Absolut nicht. Bevor wir nicht auf der anderen Seite sind, werden wir nie umfassend verstehen, weshalb Gott erlaubt, dass diese Schwierigkeit in unsere Leben Einzug erhält.

Aber wir wissen, wer Gott ist. Wir wissen, was er tun kann und wir wissen, was er versprochen hat. Wir wissen, dass er derselbe ist, gestern, heute und in Ewigkeit.

In diesem Moment der weltweiten Pandemie, lasst euer Denken nicht von Furcht beherrscht sein, so dass ihr Gott aus den Augen verliert. Ignoriert nicht die Wirklichkeit der Situation. Schämt euch nicht für eure instinktive Fähigkeit, schnell zu reagieren, wenn die Lage es erfordert und macht weise Pläne – angesichts eurer berechtigten Sorge.

Aber am aller wichtigsten: Hört niemals auf, Gott zu fürchten.

Habt Angst, aber ergebt euch nicht der Angst.

 

Gott segne euch,

Paul Tripp

 

Fragen zum Nachdenken:

  1. Was an der Pandemie macht dir am meisten Angst? Warum ist diese Furcht ein gottgegebenes Geschenk?
  2. Welche Furcht abseits des Corona-Virus beschäftigt dich im Moment. Hast du dieser Schwierigkeit erlaubt, dein Denken zu fesseln?
  3. Was geschieht geistlich mit dir, wenn die dich umgebenden Schwierigkeiten deine Gedanken und Zeit fressen?
  4. Wie kannst du praktische Schritte gehen, um den Herrn in diesem Krisenmoment zu fürchten? Sei bitte konkret.
  5. Von wem weißt du, dass er derzeit noch Angst hat? Wie spricht die Bibel ihre Ängste an? Nimm zu ihnen Kontakt auf und ermutige sie mit dem Evangelium!

 

Ursprünglich wurde der Artikel am 18.3.20 unter folgendem Link veröffentlicht:

https://www.paultripp.com/wednesdays-word/posts/its-okay-to-fear-coronavirus

 

Weitere Links:

Hanniel Strebel hat einige Artikel „Corona in Perspektive“ veröffentlicht:

https://hanniel.ch/2020/03/14/corona-in-perspektive-1-unter-der-oberflaeche-rumort-die-grosse-lebensangst/

https://hanniel.ch/2020/03/15/corona-in-perspektive-2-die-medien-uebernehmen-die-katechese-unserer-inneren-landschaft/

https://hanniel.ch/2020/03/16/corona-in-perspektive-3-erschreckt-nicht/

https://hanniel.ch/2020/03/17/corona-in-perspektive-4-die-pest-hat-angefangen-ist-aber-recht-gnaedig/

https://hanniel.ch/2020/03/18/corona-in-perspektive-5-seelsorge-an-schwerkranken-und-sterbenden/

https://hanniel.ch/2020/03/19/corona-in-perspektive-6-reduktionistischer-umgang-mit-dem-leid/